Die technischen Fortschritte der letzten Zeit, wie schnelle Prozessoren und Datenübertragung, bessere Displays sowie weitere Miniaturisierung, haben es möglich gemacht, dass Anwendungen, die auf einer erweiterten Realität basieren, auf einem Smartphone oder einem Tablet-Computer laufen können. Solche Anwendungen sind dabei, in die alltägliche Welt vorzudringen, und momentan vor allem für die Bereiche Marketing, Verkauf und Werbung konzipiert. Viele sind auch einfach Spielerei, die das Potential der neuen Technik demonstrieren wollen.

In der Industrie gibt es ernstzunehmende Anwendungen mit erweiterter Realität schon seit längerer Zeit. Allerdings musste bislang einiger Aufwand für die Hardware betrieben werden, wie z.B. spezielle Kamerasysteme, Tracking-Sensoren, Displays oder Brillen. Deshalb waren die Anwendungen auf sehr spezielle Bereiche beschränkt.

Die neuen Smartphones (iPhone, Android-phones) oder Tablet-Computer (iPad, Android Tablet PC) erschließen durch Mobilität, direkte Informationsvermittlung und kurze Reaktionszeiten viel mehr Einsatzbereiche. Damit werden Anwendungen mit erweiterter Realität auch im industriellen Bereich eine immer größere Rolle spielen – schließlich versprechen sie einen verlockenden Produktivitätsgewinn.

Industrielle Anwendungen

In der Industrie spielen momentan vor allem Image Based Services eine Rolle, bei denen die erweiterte Realität auf der Basis der Erkennung von Objekten erzeugt wird, und zwar in den folgenden Bereichen:

  • Kundenservice und Wartung
    Im Kundenservice bei der Wartung von Maschinen ist erweiterte Realität eine ideale Technologie, weil mit ihr schnell und direkt vor Ort die benötigten Informationen abgerufen werden können. Sie ersetzt die klassische Bedienungsanleitung durch eine visuell/akustisch angebotene Mischung von Realität und zugefügter Information.
    Nehmen wir an, ein Servicetechniker wird zur Reparatur einer komplexen Maschine bestellt. Er richtet sein iPad auf die Maschine, und sofort werden die aktuellen Messdaten abgerufen und das Problem identifiziert. Die Software erzeugt ein visuelles Overlay, das die Problemzone anzeigt und Schritt-für-Schritt den Reparaturprozess demonstriert. Der Techniker seinerseits gibt Informationen über die Reparatur entweder über Berührungen des Displays oder über Spracheingabe ein.
  • Fertigung und Montage
    Den Mitarbeitern werden Informationen und Anleitungen vor Ort und genau zum richtigen Zeitpunkt angezeigt oder auf das Bauteil projiziert. Dies ist vor allem nützlich, wenn es um kleine Serien mit stark individualisierten Produkten geht.
  • Qualitätssicherung
    In einer Motorenfabrik beispielsweise ist es möglich, den Ort von Problemen auf einem Tablet-Computer visuell anzuzeigen und einen Mitarbeiter dorthin zu führen. Er richtet den Computer auf den Motor und bekommt sofort die aktuellen Abweichungen der Messdaten angezeigt, zusammen mit Vorschlägen, wie das Problem zu lösen ist.
  • Prototypenbau und Design
    Hier wird erweiterte Realität schon seit einiger Zeit eingesetzt, um Änderungen von Design oder Bauteilen zu visualisieren.
  • Planung und Umbau von Fabriken
    Auch hier wird erweiterte Realität schon seit einiger Zeit eingesetzt, um Um(Bauten) zu visualisieren. Dabei geht es nicht nur um Design, sondern auch um Konstruktion: zum Beispiel um frühzeitig zu erkennen, ob ein neues Rohrsystem überhaupt in die bestehende Anlage hineinpasst.

Weitere Entwicklung

Trotz allen Potentials wird die Informationsvermittlung über Smartphones/Tablet-Computer eine Übergangstechnologie sein, denn sie ist immer noch zu sehr von der zwischengeschalteten Technik abhänging, dem Display. Erweiterte Realität aber ist nicht mit dem simplen Lesen von Dokumenten zu vergleichen, sei es auf einem Display oder auf Papier. Sie ist vielmehr ein umfassender Sinneseindruck, der für Neulinge sehr beeindruckend sein kann: halb eingetaucht in die künstliche Realität, halb verbunden mit der Wirklichkeit. Sie ist ein Medium, das noch interaktiver und noch situationsbezogener ist als alles Vorangegangene.

Das wird mit Smartphones/Tablet-Computern schon recht überzeugend dargestellt. Wirklich abheben aber wird erweiterte Realität in dem Moment, in dem die Informationen direkt in die Sinne eingespeist werden, ohne dass die dafür nötige Hardware für den Benutzer erkennbar ist. Dies ist in den Laboren schon seit langem angedacht worden – es fehlten bis jetzt nur die technischen Möglichkeiten. Doch das ist nur eine Frage der Zeit.

Links

Weitere Informationen über erweiterte Realität finden Sie hier:

Erweiterte Realität