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Auf der Entwicklerkonferenz I/O 2014 hat Google die nächste Version des Android Betriebssystems vorgestellt. Es könnte die Versionsnummer 5.0 bekommen, aber das ist noch nicht bestätigt. Wie dem auch sei, für Google ist es ein großer Schritt vorwärts.

Performance

Was zunächst auffällt, wenn man beginnt, sich mit dem neuen System zu beschäftigen, ist der deutliche Gewinn an Performance. Vor allem im Vergleich zu iOS 8 kam es in den Vorgängerversionen doch immer wieder zu gelegentlichen Verzögerungen, zum Beispiel beim Scrollen durch Listen oder beim Wechseln zwischen Anwendungen. Das ist jetzt vorbei. Das Scrollen ist geschmeidig, das Umschalten zwischen Applikationen geschieht flüssig. Auch datenintensive Apps mit vielen Grafiken, wie zum Beispiel Karten, laufen im Gegensatz zu früher jetzt ohne Ruckeln.

Hauptverantwortlich dafür sind zwei Änderungen. Zum einen wurden wichtige Grafikroutinen überarbeitet. Zum anderen wird jetzt ART (Android Runtime) als Runtime eingesetzt. ART wurde schon mit der Version 4.4 eingeführt, war damals aber noch optional. Mit der neuen Version ist es die Default Runtime. Der Hauptvorteil ist, dass die damit erstellten Apps schneller sind, weil eine verbesserte Garbage Collection und eine Ahead-of-Time (AOT) Kompilation verwendet werden. Ein weiterer Punkt ist, dass Android 64-Bit-Prozessoren unterstützt, was zusätzlich den Ablauf von Apps beschleunigt, da mehr Register und neue Maschinenbefehle zur Verfügung stehen. Außerdem wird der Entwicklungsprozess selbst erleichtert, weil das Debugging einfacher ist.

Obwohl wir bei uns eine Beta-Version für Entwickler benutzen, laufen das Betriebssystem und fast sämtliche Apps mit dieser Runtime ohne große Probleme. In gewissen Fällen ist es trotzdem möglich, dass Apps für die Vorgängerversionen nicht mehr funktionieren. Deswegen ist es wichtig, sie vom Hersteller checken zu lassen, ob sie angepasst werden müssen. Google selbst gibt auf ihrer Website Hinweise darauf, auf was man achten muss.

Design und Funktionen

Ebenso wie der Geschwindigkeitsgewinn fällt zu Beginn auf, dass das Design stark verändert wurde. Es wird Material Design genannt, und bildet natürliche Oberflächen und Formen nach. Es enthält Pastellfarben, viele weiße Flächen und kommt mit einer vereinfachten und sachlicheren Oberfläche. Die vielen kleinen Animationen orientieren sich an Vorgängen aus der Wirklichkeit. Sofort auffällig sind auch die geänderten Tastensymbole ganz unten.

Insgesamt erinnert die Oberfläche ein wenig an eine Mischung aus iOS 8 und Windows 8.1. Die Übersichtlichkeit mag Geschmacksache sein; den Entwicklern bei uns im Büro gefällt es jedenfalls. Auf jeden Fall kann man sagen, dass die Bedienung der Geräte nun flüssiger und schneller vor sich geht.

Von Google gibt zum jetzigen Zeitpunkt immerhin – neben den Betriebssystem selbst – drei Apps im neuen Design: Telefon, Tastatur und Rechner. Die Tastatur zeigt nun einfach nur die Buchstaben oder Zahlen, und zwar ohne 3D-Effekte und ohne Kästchen. Dies ist gewöhnungsbedürftig, geht aber nach einiger Zeit gut von der Hand. Nettes Detail: schon während des Swype-Vorgangs bekommt man einen Vorschlag am Finger angezeigt und kann ihn direkt übernehmen.

Von den Funktionen, die zum Betriebssystem gehören, sind vor allem die Benachrichtigungen, der Task-Manager und die Einstellungen an die neue Design-Linie angepasst worden. Die Benachrichtigungen haben zudem auch funktionell zugelegt. So zeigt der Sperrbildschirm zum Beispiel die wichtigsten Nachrichten, die man ohne Entsperrung sofort lesen kann. Hat man viele Nachrichten, passen sie trotzdem alle auf den Bildschirm. Das erreicht Google durch den Trick, dass man Mitteilungen nach oben unter die jüngste verschieben kann, und nach unten über die älteste. So erreicht man schnell alle Nachrichten.

Einen ähnlichen Trick verwendet Google im Task-Manager. Hier werden alle geöffneten Anwendungen übereinander dargestellt, so wie bei einem animierten Karteikasten. Man kann auf diese Weise alle Tasks durchscrollen, ohne die Bildschirmbegrenzung zu verlassen. Es geht dabei nicht mehr nur darum, alle geöffneten Apps anzuzeigen. Vielmehr soll das ganze mehr auf den User zentriert sein. Entsprechend nennt Google die Funktion „Recents“, womit klar gemacht werden soll, dass es sich hier um die Aktivitäten des Benutzers, und nicht um Programme handelt. Insgesamt sieht das Ganze gut durchdacht aus und ist handlich und schnell – man fragt sich: warum gibt es das nicht überall?

Die Einstellungen sind durch das neue Design definitiv übersichtlicher geworden. Sie sind flacher als früher und durch die Verwendung großer Weißräume wird man nicht vom Wesentlichen abgelenkt.

Ankommende Anrufe werden durch eine Einblendung am oberen Bildrand angezeigt, und man kann sich entscheiden, den Anruf anzunehmen oder abzulehnen, ohne die gerade genutzte App zu verlassen. Kaum denkbar, dass es noch einfachere Methoden geben könnte.

Auch für Geschäftskunden hat Google sich etwas ausgedacht. Man hat ein Datencontainer-System implementiert, sodass besser zwischen privaten und geschäftlichen Daten getrennt werden kann. Unternehmen können diesen Bereich wie eine Sicherheitszone nutzen, und aus der Ferne Apps installieren oder Daten dort speichern und löschen. Dafür wurden Teile von Samsungs „Knox“ benutzt, das sogar unerwünschte Zugriffe verhindert, wenn jemand das Gerät rootet. Das hat Vorteile sowohl für Mitarbeiter als auch für Unternehmer: niemand muss fürchten, dass private Daten in unerwünschte Hände kommen oder das wichtige Betriebsdaten nach draußen gelangen.

Bessere Energieeffizienz

Mit der neuen Android-Version hat Google das Projekt Volta gestartet. Es soll die Plattform energieeffizienter machen und den Entwicklern eine bessere Kontrolle über die Ressourcennutzung ermöglichen. In dem Projekt werden alle Maßnahmen zusammengefasst, die die Laufzeit verlängern, also auch solche, die zu einem anderen Zweck eingeführt wurden, und Energieeinsparungen nur als Nebeneffekt ermöglichen. Beispiel ist der Einsatz von ART, der eine geringere Prozessorlast bringt.

Tests zeigen, dass durchaus eine Laufzeitverlängerung von zwei Stunden (je nach Gerät) drin ist. Man muss allerdings zugeben, dass es bis jetzt nur Entwicklerversionen gibt. In der endgültigen Version wird sich wohl noch einiges tun.

Neue Funktionen sind auch hier eingebaut. Man kann jetzt genau nachverfolgen, wie viel Energie welche App verbraucht hat. Zudem ist in Android eine Funktion enthalten, die bei Unterschreitung eines definierten Akkuladezustands Energiesparmaßnahmen einschaltet. Dies hatten einige Hersteller von Smartphones schon in die Hardware integriert; ab jetzt ist es Bestandteil des Betriebssystems.

Zusammenarbeit mit allem

Es gibt mittlerweile eine ganze Palette von Android-Derivaten: das normale Android für Smartphones und Tablets, Android Wear für Smartwatches, Android Car für Autos, Android TV für Fernseher, Android One für Billigtelefone und Chrome OS für Notebooks, um die wichtigsten zu nennen. Ähnlich wie Apple arbeitet auch Google an einer Integrationsstrategie für all diese Versionen, sodass Apps und Nachrichten hardware-übergreifend genutzt werden können.

So lässt sich der Fernseher zum Beispiel über ein Smartphone oder mit der Armbanduhr steuern. Oder die Funktionen des Autos werden über Android Car Schnittstelle von Apps kontrolliert, die auf dem Smartphone laufen; Eingaben erfolgen über den Touch-Bildschirm am Armaturenbrett oder über Sprache. Genau wie bei Apple wäre auch die übergreifende Nutzung von Apps möglich. Beispielsweise könnte man mit dem Phone seine Mails bearbeiten, dann das Gerät ausschalten, und anschließend mit dem Laptop an derselben Stelle weiter machen.

Google steigt auch in den Health (Google Fit) und in den Home Markt ein, beides Geschäftsfelder mit viel Umsatzpotential und viel Bedarf an Zusammenspiel der Hardware. Der Konzern hat nicht umsonst einen hohen Betrag für Nest ausgegeben, das Produkte für das Internet der Dinge anbietet. Auch sollte man nicht vergessen, dass die Konkurrenz von Apple und Samsung hier ihre Aktivitäten ebenfalls stark ausbaut.

Die neue Version

Nicht alle auf der I/O 2014 präsentierten Funktionen sind zum jetzigen Zeitpunkt schon vorhanden. Auch das Material Design ist noch nicht in allen Ecken implementiert. Es wird also in den nächsten Monaten noch einige Änderungen geben. Erscheinen soll das neue Android irgendwann im Herbst – dann wird auch der endgültige Name festgelegt sein.

Natürlich ist die kommende Version das beste Android, das es je gab. Das ist bei Betriebssystemen noch nie anders gewesen, denn schließlich werden bei jedem Update neue Funktionen eingebaut und viele Dinge überarbeitet. Man muss aber anerkennen, dass das neue Design klar und funktional ist, dass bei der Schnelligkeit iOS mittlerweile erreicht wurde, und dass die neuen Funktionen Sinn machen.

Wie immer bei neuen Android Versionen wird es auch diesmal dauern, bis die Hersteller sie in ihre Geräte integrieren, wenn überhaupt. Immerhin will Google mehr Funktionen in die Play-Services einbinden, wodurch Updates einfacher möglich werden. Spezialversionen wie Android One, Android Wear, Android Car und Android TV sind erst gar nicht dafür vorgesehen, von den Herstellern angepasst zu werden. Hier wird die regelmäßige Aktualisierung kein Problem darstellen, weil sie durch Google selbst durchgeführt wird.

Sollten Sie sich fragen, was Sie beachten müssen, damit Ihre APP bereit für die neue Version von Android ist, stehen wir gerne für ein Beratungsgespräch zur Verfügung. Wir machen Ihre APP fit für das Update, sodass Sie alle Features mit dem neuen Betriebssystem nutzen können und nicht mit unerwartetem Fehlverhalten rechnen müssen.

Kontakt

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